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Corona, eine Woche später

Die vergangene Woche war ich eigentlich schon wieder normal im Einsatz. Die Coronatests sind wieder negativ, aber die Nachwirkungen der Erkrankung sind noch nicht vorbei:

Immer noch bekomme ich schlecht Luft, besonders bei Anstrengung. Immer noch huste ich Schleim hoch. Mein Geruchssinn ist irregeleitet (alle starken Gerüche riechen im Moment zusätzlich auch nach getrockneter Kotze), und ich leide – vielleicht damit zusammenhängend – unter einer ständigen leichten Übelkeit mit wiederkehrendem Schwindelgefühl.

Dadurch esse ich deutlich weniger und habe ich seit dem ersten Coronatag etwa 10 kg abgenommen. Das wäre für sich allein genommen eine gute Sache, aber irgendwie scheint mir das trotzdem nicht die richtige Methode zu sein.

Besonders schlimm waren die Nachwirkungen gestern, nachdem ich am Freitag an der Veranstaltung in der Stadtbibliothek Stuttgart teilgenommen hatte (erscheint später auch als Podcast). Das war offensichtlich mehr, als wofür ich schon wieder fit genug bin.

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Coronatagebuch Tag 7

Die gesetzlich vorgeschriebene Isolation ist vorbei, gerade rechtzeitig um die Hunderunden zu übernehmen, denn auch das zweite Kind hat jetzt positive Corona-Selbsttests. Ich war dann mit ihm zum PCR-Test bei der Fieberambulanz (Ergebnis wieder morgen).

Trotz der plötzlich gesteigerten Gehstrecken fühlte ich mich heute wieder gesund, so ganz wieder hergestellt bin ich aber noch nicht, wie mir auch die Werte meiner Selbstvermessung anzeigen.

Die Blutsauerstoffwerte sind sonst höher.

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Coronatagebuch Tag 6

Samstag, Ausruhtag, insbesondere wenn Du in einer gesetzlich vorgeschriebenen Isolation bist.

Tag 6 von Corona ist Tag 5 der Isolation (weil der Testtag offiziell Tag 0 ist) und damit potentiell der letzte Tag. Das werde ich morgen sehen …

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Coronatagebuch Tag 5

Von den ursprünglichen Corona-Symptomen ist bei mir jetzt kaum noch was übrig: kein Fieber mehr, keine Kopfschmerzen, nur noch ein leichtes Erkältungsgefühl mit Husten / Schnupfen.

Dafür haben sich heute neue lästige Phänomene eingestellt: auf einem Ohr höre ich leicht gedämpft, und der Geruchs- und Geschmackssinn sind auch eingeschränkt. Letzteres passt gut mit der noch anhaltenden Appetitlosigkeit zusammen. Letzterer zutrotz habe ich heute wieder ordentlich (aber einfach) für die Familie gekocht und auch selbst was davon gegessen.

Frau und Tochter waren schließlich heute auch beim PCR-Test, die Ergebnisse werden morgen erwartet.

Das Wochenende brauchen wir jetzt alle zur Erholung.

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Coronatagebuch Tag 4

Während es mir immer besser geht, durchquert meine Frau gerade das Formtief mit Fieber, so ähnlich wie ich das vor ein paar Tagen auch hatte. Bei der Tochter war der Selbsttest heute schließlich auch positiv, und jede:r von uns hat einen leicht anderen Strauß an Symptomen.

Telearbeit klappt ganz gut, aber die Temperaturen heute (mit über 30°C auch an meinem Arbeitsplatz) fand ich in Kombination mit dem leichten Krankheitsgefühl sehr unangenehm. Ich hatte den ganzen Tag dieses flaue Gefühl, das ich sonst auch bekomme, wenn ich auf nüchternen Magen zu viel Koffein zu mir nehme.

Nach der Arbeit habe ich etwas auf dem Sofa geschlafen und danach was ganz einfaches gekocht. Viel essen mag ich noch immer nicht, das schadet mir aber erstmal gar nicht.

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Coronatagebuch Tag 3

Heute waren meine Symptome eher vergleichbar mit einer mittelschweren Erkältung, drum war ich wieder arbeiten. Dank Homeoffice geht das ja ohne weitere Kontakte, und in Videokonferenzen kann ich mich sogar zum Husten und Schniefen stummschalten. Wenn es weiter so bergauf geht, dann kann ich die Isolation nach der Mindestdauer von fünf Tagen am Sonntag verlassen.

Blöd nur: weitere Familienmitglieder entwickeln jetzt auch langsam Symptome, und bei Susanne sieht der Selbsttest inzwischen genau so aus wie bei mir am Montag. Das kommt insofern ungelegen als sie an diesem Wochenende eigentlich ein Klassentreffen gehabt hätte, das sie jetzt absagen musste. Wie gut die Idee in der aktuellen Coronasituation überhaupt gewesen wäre, sei mal dahingestellt.

Um für die nächsten Tage gewappnet zu sein, haben wir am Abend Kind.zwei, den es noch nicht erwischt zu haben scheint, nochmal schnell losgeschickt, um Vorräte zu kaufen, mit denen wir ein paar Tage überbrücken können, sollte keiner von uns mehr unter Leute gehen dürfen.

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Coronatagebuch Tag 2

Heute Morgen war ich nach durchfieberter Nacht mehr oder weniger Matsche. Deshalb habe ich mich von der Arbeit abgemeldet und gleich wieder hingelegt. Bis zum Mittag lag ich noch halb schlafend im Bett rum. Danach ging es mir deutlich besser, aber vom langen Liegen hatte ich jetzt Rückenschmerzen. Also doch besser auf dem Sofa sitzen.

Außerdem konnte ich dann das Ergebnis des PCR-Tests abrufen, das wie erwartet positiv war, sogar mit relativ hoher Viruslast:

SARS-CoV-2 S-Gen (CT-Wert) 15.99
SARS-CoV-2 R-Gen (CT-Wert) 16.49
SARS-CoV-2 N-Gen (CT-Wert) 16.42

Das habe ich auch gleich ordentlich über die Corona-Warn-App bekanntgegeben, die jetzt bei einigen Kollegen auf rot gesprungen sein könnte.

An Symptomen bleiben mir im Moment Schnupfen, Husten und eine gewisse Appetitlosigkeit. Das Fieber ging den Tag über immer weiter zurück und der Kopf wurde wieder klar. Umgehend stellte sich eine gewisse Langeweile ein.

Ich habe dann auf Disney+ angefangen, Star Wars Episode 1 anzuschauen, aber der ist immer noch so schlecht, wie ich ihn in Erinnerung hatte.

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Coronatagebuch Tag 1

Nach 2½ Jahren hat es mich jetzt doch noch erwischt: COVID-19.
Gestern hatte ich bei der Hunderunde schon ein Kratzen im Hals, und heute Vormittag kamen Kopfschmerzen und Schüttelfrost dazu. Das kam mir sehr verdächtig vor, und prompt war der durchgeführte Antigen-Selbsttest positiv.

COVID-19 Schnelltest mit zwei Strichen

Natürlich will ich die Leute, denen ich in letzter Zeit begegnet bin, mit der Corona-Warn-App warnen und auch Teil der offiziellen Statistik werden, deshalb machte ich mich umgehend auf den Weg zur Fieberambulanz am Katharinenhospital um einen PCR-Test durchführen zu lassen. Das ging recht flott, denn die Schlange dort war kurz.

Wieder zurück im Homeoffice habe ich noch an einem Meeting teilgenommen (natürlich in Videokonferenz), aber danach musste ich mich hinlegen, denn mein Zustand wurde schnell schlechter.

Nach vier Stunden im Bett, halb schlafend, sitze ich jetzt auf dem Sofa und habe einen bunten Strauß an Symptomen: laufende Nase, Husten, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit und Fieber (aktuell 39,2°C).

Morgen werde ich mich wohl krankmelden müssen.

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Alles muss hier moderner werden

Gestern ist dieses – zugegebenermaßen im Moment etwas vernachlässigte – Blog 18 Jahre alt geworden. Herzliche Glückwünsche zur Volljährigkeit.

Nicht ganz so alt, aber fast, ist die Infrastruktur, auf der es läuft: das Blog und ein ganzer Strauß weiterer Dienste verteilen sich auf zwei „root-Servern“ bei Hetzner, die ich jetzt schon seit 2009 bzw. 2014 gemietet habe.

Das ist jeweils das „richtige Blech“, und in einem der beiden Server laufen die Festplatten (ja, so richtig mit rotierendem Rost!) seit bald 13 Jahren durchgehend, im anderen ist das mit 8 Jahren auch nicht viel besser.

[…]
SMART Attributes Data Structure revision number: 16
Vendor Specific SMART Attributes with Thresholds:
ID# ATTRIBUTE_NAME          FLAG     VALUE WORST THRESH TYPE      UPDATED  WHEN_FAILED RAW_VALUE
  1 Raw_Read_Error_Rate     0x000f   100   100   051    Pre-fail  Always       -       0
[…]
  9 Power_On_Hours          0x0032   077   077   000    Old_age   Always       -       114123
[…]

Ich habe zwar ordentliche Backups eingerichtet (und auch die Wiederherstellung getestet), und ich bin mir deshalb recht sicher, dass keine Daten verloren gehen würden, wenn doch mal was abraucht (klopft auf die Tischplatte) … aber ich hätte wahrscheinlich einige Tage Arbeit, um einen der Rechner wieder so aufzusetzen, dass alles so läuft wie zuvor.

In der Arbeit hingegen bin ich inzwischen Teil des „Site Realiability Engineering“-Teams, das die Cloud-Infrastruktur betreibt und betreut. Dort benutzen wir Kubernetes auf Virtuellen Maschinen in der Azure Cloud. Die Infrastruktur ist komplett in beschreibem Code abgelegt und kann jederzeit wieder in den definierten Zustand gebracht werden.

Ist so eine VM kaputt, dann wird sie einfach gelöscht und neu angelegt. In der Theorie der Infrastructure as Code wird das als Pets vs. Cattle bezeichnet, und die Idee dahinter ist, dass die einzelnen, spezialisierten und schwer aufzubauenden Server gedanklich wie Haustiere sind, während die kurzlebigen und austauschbaren Cloud-VMs eher wie Nutztiere sind, wo eine Kuh genau so gut ist wie die nächste (sowohl Veganer als auch bayerische Kleinbauern, die die Namen all ihrer Kühe kennen, werden dem Bild nicht ganz zustimmen können, aber die Idee kommt wohl rüber).

Jetzt ist Azure für mich viel zu teuer, da dort jede einzelne VM monatlich schon mehr kostet als alle meine Server zusammen. Doch auch Hetzner bietet inzwischen Cloud-VMs, darum möchte ich alles hier (macht ausholende Handbewegung) auf Kubernetes in der Hetzner Cloud umziehen.

Ein paar weitere Modernisierungen plane ich im Zuge der Umbauten auch gleich zu machen, und ich werde das hier begleiten in einer eher technischen Artikelserie.

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Freedom Day

Seit mehr als zwei Jahren hängen wir jetzt mit diesem Coronavirus rum. Für uns fing alles damit an, dass das Kind in Quarantäne musste.

Seitdem war mal alles geschlossen, dann wieder geöffnet. Mal saßen wir alle zuhause rum (also: genau genommen sitze ich seitdem zumindest für meine Arbeit durchgehend zuhause). Dann kamen Maskenpflichten, dann kamen Testpflichten, und dann kamen endlich die Impfungen. Inzwischen sind in unserer kleinen Familie sogar alle drei mal geimpft.

Trotzdem zieht sich das alles. Die zuständigen Politiker haben es die letzten zwei Jahre trotz guter Ansätze immer wieder doch noch im letzten Moment vermasselt, und auch der Regierungswechsel, in den ich große Hoffnungen gesetzt hatte, hat da keine erhebliche Verbesserung gebracht.

Seit gestern sind nun die meisten Maßnahmen zur Eindämmung der andauernden Pandemie auf Bundesebene ausgelaufen (eigentlich schon am 20. März, aber da gab’s noch irgendwelche Übergangsfristen).

Übrig geblieben ist nur ein sogenannter Basisschutz, von dem ich gar nicht so genau weiß, woraus er eigentlich besteht (Maskenpflicht in Öffentlichen Verkehersmitteln ist jedenfalls dabei).

Weitergehender Schutz kann von den Bundesländern in sogenannten Hotspots angeordnet werden. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern haben daraufhin jeweils ihr komplettes Bundesland zum Hotspot erklärt, aber Baden-Württemberg war nicht so mutig (oder zu trotzig). Dadurch öffneten heute die Geschäfte erstmals seit April 2020 wieder ohne Maskenpflicht.

Das klingt doch erstmal alles super. Klingt so, als wäre Corona endlich vorbei. Tatsächlich sind die Zahlen der Neuinfektionen aber in den letzten Wochen höher als je zuvor.

Ich zweifle ja inzwischen manchmal kurz daran, mit meiner anhaltenden Vorsicht noch immer auf der Seite der Vernünftigen zu sein, aber das Unverständnis über die aktuelle Entwicklung scheint doch zumindest recht weit verbreitet zu sein. In den Mails der Schulen der Kinder liest sich das zum Beispiel so:

[…] wie Sie sicher schon aus den Medien wissen, entfallen ab Samstag in Baden-Württemberg nach über zwei Jahren Pandemie nahezu alle Corona-Schutzmaßnahmen. Wir haben nun aus dem Kultusministerium auch die entsprechenden Konsequenzen für den Schulbetrieb mitgeteilt bekommen, die ich Ihnen im folgenden zusammenfasse:

Auch wenn die Maskenpflicht ab Montag nicht mehr gilt, empfehlen wir, die Masken weiterhin zu tragen. FFP2-Masken sind neben dem Impfen der beste Schutz gegen eine Infektion!

[…]

(alles mehr für mich aufgeschrieben, da es wirklich niemanden geben dürfte, der oder die das nicht alles selbst mitbekomen hat)

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Geimpft

In den letzten Wochen tauchten in meiner Twitter-Timeline so viele Leute mit Impfies auf, dass ich mir dachte: „Wenn die schon dran sind, dann könnte ich vielleicht auch bald dran sein.“ Schließlich habe ich mit Asthma, Bluthochdruck und Fettleibigkeit gleich mehrere der Krankheiten, die eine Priorisierung wegen der höheren Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs der COVID-19-Erkrankung begründen.

Schritt 1: Attest

Also habe ich mal bei meiner Hausarztpraxis angerufen, und die sagte: „Na klar, Attest ist raus.“ Zwei Tage später hatte ich ein hochoffiziell klingendes Schreiben auf schickem Briefpapier in den Händen.

Schritt 2: Terminbuchung

Über den Prozess der Impfterminbuchung hatte ich schon mit Schrecken bei Heibie gelesen, und er hat alle Erwartungen erfüllt. Es begann damit, dass ein Vermittlungscode benötigt wurde. Um den zu bekommen, musste ich (selbst!) prüfen, ob ich Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung habe:

Screenshot:
Wurde Ihr Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung bereits geprüft?

[Nein (Anspruch prüfen)]

Es wurden keine freien Termine in Ihrer Region gefunden. Bitte probieren Sie es später erneut.

Leider erscheint das Formular, in dem ich mir das selbst bestätigen kann, nur dann, wenn gerade ein Impftermin frei wäre (den ich dann gar nicht bekommen kann, weshalb diese Einschränkung völlig unverständlich ist). Da hilft nur sehr fleißiges Neuladen, mehrere Tage lang. Als das Formular erschien, gab es noch eine SMS-Verifikation, und dann kam der Vermittlungscode per Mail. Uffz.

Screenshot:
Impftermine
[Termine suchen]

Mit dem Vermittlungscode musste wieder so lang eine andere Seite neu geladen werden, bis Termine zur Auswahl auftauchten. Nach diesmal nur anderthalb Stunden bekam ich eine Liste mit genau einem Terminpaar (für Erst- und Zweitimpfung) zur Auswahl. Dann nehme ich das doch.

Terminbestätigung für Ihre Corona-Schutzimpfung

Sie haben erfolgreich Ihren Corona-Impftermin gebucht.

hr Impftermin: 29.04.2021 um 09:10 Uhr

Bitte bringen Sie Ihren Personalausweis, Ihren Impfpass, Ihre Versichertenkarte sowie eine Kopie dieser Bestätigungsmail inkl. ihres Vermittlungscodes zur Impfung mit (digital oder ausgedruckt).

Halt! Erst noch alle persönlichen Daten eingeben und noch einmal die Mailadresse bestätigen, an die vorhin schon der Code gesendet wurde (warum?), und dann kamen endlich die zwei Bestätigungen. Ich hatte Impftermine.

Schritt 3: Impfpass suchen

Der Schritt war fast schon zu einfach: der Impfpass war genau da, wo ich ihn vermutet hatte.

Schritt 4: Impfzentrum

Zentrales Impfzentrum Klinikum Stuttgart (Außenansicht)

Gestern war ich dann im Impfzentrum Stuttgart Liederhalle. Das ist eine sehr beeindruckende Installation, der anzusehen ist, dass sie dazu gedacht war, tausende von Menschen durchschleusen. Da aber die dazu notwendige Impfstoffmenge bekanntlich (noch) nicht vorhanden ist, wirkte es gestern vergleichsweise verlassen. Die Stimmung war ungefähr wie an einem Flughafen in der Hochsaison — aber ganz früh am Morgen: lange Schlangenlinien aus Absperrbändern mit 1,50-m-Abstand-halten-Klebebändern auf dem Boden, die ich leer durchlief (genau wie am Flughafen standen auch hier Sicherheitskräfte am Rand und sahen so aus, als ob sie es nicht lustig finden würden, wenn ich das Personenleitsystem abkürze).

Um den Betrieb nicht unnötig aufzuhalten, wird empfohlen, sich Selbstanamnesebogen und Laufzettel vorher selbst auszudrucken. Dazu gibt es auf der Webseite impfen-bw.de einen PDF-Generator. Das hatte ich getan, und dadurch kam ich noch schneller durch alle Stationen. Also: fast. Am Checkin hatte ich nämlich noch das Problem, dass mein Attest gar nicht die Richtige Impfgruppe auswies. Da ich aber recht leicht Nachprüfbar mit einem BMI über 40 zur aktuell berechtigten Impfgruppe gehöre, und da die auf dem Attest genannte Impfgruppe ohnehin ab nächsten Montag schon dran sein wird, haben sie mich doch durchgelassen (zum Glück, denn sonst wäre ich wieder bei Schritt 2 gewesen).

Im Hegelsaal sind etwa 20 bis 30 Impfkabinen mit jeweils zwei Eingängen, so dass immer eine Person sich vorbereiten (Jacke aus- und anziehen, …) kann, während eine andere geimpft wird. Die Impfkabinen sind nach Städten benannt, ich war (leider nicht so mondän) in Berlin. Das eigentliche Impfen war dann total unspektakulär: einmal Pieks, Aufkleber und Stempel in den Impfpass, fertig.

Impfpass mit Corona-Impfung

Wegen meiner Allergien wurde mir statt der üblichen 15 Minuten eine Ruhezeit von 30 Minuten verordnet. Dafür ist der Schillersaal mit Stühlen im ordentlichen 2-Meter-Raster ausgestattet („Chillen im Schillersaal“, gnihihihi … naja, zumindest zu dem Zeitpunkt fand ich das lustig). Es hätte dort auch Wasser zum Trinken gegeben, aber ich bin doch nicht verrückt und nehme in einem Raum mit so vielen Leuten meinen Mund-Nasen-Schutz ab.

Nachdem ich da meine halbe Stunde abgewartet hatte (kontrolliert hat das niemand, aber ich habe mir einfach einen Wecker gestellt und Podcasts gehört), kam ich dem Leitsystem folgend noch an einem Checkout-Schalter vorbei, und dann war ich auch schon wieder draußen vor der Tür.

Schritt 5: Nachbeobachtung

Screenshot der Apple Watch:
Benachrichtigung von SafeVac

Bitte erfassen Sie Ihre Symptome.

Im Dienste der Wissenschaft beobachte ich jetzt noch ein paar Tage meine Impfsymptome mit der SafeVac-App des Paul-Ehrlich-Instituts.

Bisher gibt es da allerdings nicht so viel zu erfassen — nur der Arm, in den ich die Spritze bekommen habe, tut weh.

So, und jetzt gehe ich erstmal zurück in meinen Lockdown bis zum zweiten Impftermin am 9. Juni.

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Unser eigener Lockdown

Heute fand auf Anregung des Bundespräsidenten eine Art Trauerfeier statt für die bisher über 80000 Toten, die die immer noch andauernde Corona-Pandemie inzwischen in Deutschland gefordert hat. Begleitet wurde das von der Bitte, Kerzen in die Fenster zu stellen um der Toten zu gedenken.

Selten habe ich mich von der Politik so wenig ernst genommen gefühlt.

Wie wahrscheinlich auch viele andere warte ich nämlich darauf, dass etwas gegen die weiterhin ansteigenden Infektionszahlen unternommen wird. Denn seit in den ersten Märzwochen ohne für mich nachvollziehbaren Grund mit Öffnungsdiskussionen begonnen wurde, gehen die Zahlen eigentlich nur noch nach oben. Aber die Konferenz aus Bundeskanzlerin und Ministerpräsident:innen, die sich vorher um die Richtung der Maßnahmen gekümmert hat, kann sich auf keine gemeinsame Linie mehr einigen (wir erinnern uns an die fehlgeschlagene „Osterruhe“), und der parlamentarische Weg, der nun stattdessen beschritten wird, dauert quälend lang.

Außerdem wird das, worauf sie sich wohl einigen werden, nach meiner Einschätzung keine Änderung der Situation herbeiführen, denn es beinhaltet mit der „Notbremse“ ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 noch immer hauptsächlich Einschränkungen privater Kontakte (z.B. Ausgangssperren zwischen 21:00 und 05:00, weil sich die Menschen bekanntlich nachts draußen anstecken) und versucht dabei Büros und Industroe so weit wie möglich zu schonen. Schulen aber sollen erst bei völlig unverantwortlichen Inzidenzwerten von 200 geschlossen werden.

Währenddessen steigen die Zahlen weiter. Hier unterhalte ich jeweils auf Mastodon und Twitter seit dem 20. März einen Thread, in dem ich die aktuellen Werte für Deutschland, Baden-Württemberg und Stuttgart beobachte.

Meine persönliche Situation sieht zum Glück so aus, dass ich nach wie vor nur im Homeoffice arbeite und wir uns auch sonst gut vom Kontakt mit anderen Menschen fernhalten können. Das sorgte zwar jetzt schon für das zweite Ostern ohne andere Teile der Familie zu treffen, und statt an eine Reise auch ur zu denken, haben wir die Osterferien dazu verwendet, einige Wände in der Wohnung neu zu streichen.

Nach den Osterferien begannen die Schulen in Baden-Württemberg erst einmal wieder mit einer Woche Fernunterricht und wollten eigentlich ab morgen wieder in den Wechselunterricht … äääh … wechseln. Wir bekamen neue Stundenpläne zugeshsickt, und die Klassen der Kinder wurden in Gruppen eingeteilt. Es zeichnete sich aber schon am Ende der letzten Woche ab, dass die für die Testpflicht vorgesehenen Schnelltests noch nicht bei allen Schulen angekommen waren, und das die oben erwähnte 200er-Grenze in Stuttgart schon am Wochenende gerissen werden könnte. Dementsprechend erreichten uns im Laufe des Wochenendes auch nacheinander Mails von beiden Schulen, die den Präsenzunterricht erst einmal wieder absagten. Diese Mails klingen aber nach wie vor so, als könnte es jeden Moment wieder losgehen:


Wenn die 7-Tages Inzidenz nicht wie erwartet für drei Tage über 200 steigt und wir bis dahin ausreichend mit Testkits versorgt wurden, werden wir zur Mitte der Woche in den Wechselunterricht einsteigen. Ich hoffe, dass ich Sie zu Beginn der Woche darüber informieren kann.

Deshalb haben wir jetzt einen eigenen Lockdown beschlossen: solange die 7-Tage-Inzidenz in Stuttgart nicht wieder deutlich unter 100 fällt (und eigentlich ist auch das noch zu hoch), werden die Kinder nicht wieder in den Präsenzunterricht gehen.

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14 Jahre Twitter

Der erste Tweet

Vierzehn Jahre bin ich jetzt bei Twitter. Am Anfang mit großer Begeisterung, weil es eine offene API für kreative Experimente im Social Web zur Verfügung stellte. Andere Dienste konnten sich drumherum andocken und den Dienst, der sich zu dieser Zeit auf Textnachrichten beschränkte, ergänzen.

Aber der Zwang zum Geldverdienen änderte das mit der Zeit, und so wurden die Multimedia-Funktionen einverleibt oder nachgebaut, und neue Entwicklungen waren irgendwann nur noch mit den Twitter-eigenen Apps (die ursprünglich auch zugekauft waren) zugänglich. So wurde Twitter im Laufe der Zeit immer mehr zum Walled Garden.

Die offenen Systeme, auf denen kreative Dinge passieren können, sind heute die dezentralen, föderierten Netze wie Mastodon oder Matrix.

Bei Twitter bin ich heute nur noch wegen der vielen lieben Kontakte. Zögen die alle ins Fediverse um, bräuchte ich Twitter nicht mehr.

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Heute vor einem Jahr

Heute vor einem Jahr war der erste Tag, an dem ich im Homeoffice war.

Es war ein Freitag, und diese neue Corona-Krankheit hatte begonnen, sich in Deutschland auszubreiten. An den zwei vorherigen Tagen war die Schule von Kind.eins schon wegen zweier Verdachtsfälle vorsorglich geschlossen gewesen, und an dem Tag selbst erfuhren wir, dass sie als Kontaktperson nun eine zweiwöchige häusliche Quarantäne einhalten müsse.

Während ich mir also an dem kleinen Sekretär im Wohnzimmer meinen Arbeitsplatz einrichtete, prasselten die Nachrichten von Schließungen rein. Im Endeffekt hatte unsere Familie dann doch nur einen Tag Vorsprung vorm Rest des Landes.

Nach ein paar Wochen Stillstand, so dachte ich damals, würde der Alltag zurückkehren. Ich hatte ja keine Ahnung.

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Megalockdown?

Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut für die Bekämpfung der Pandemie.

Angela Merkel

Wir befinden uns mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie. Seit Anfang November sind wir passend dazu im zweiten Lockdown, der als „Wellenbrecher“ angekündigt war, dieses Versprechen aber bisher nicht einhalten konnte. Die Vorschriften wurden zwar jetzt schon in mehreren Schritten weiter verschärft, aber die Infektionszahlen bewegen sich eher Seitwärts als deutlich Abwärts.

Bestätigte Neuinfektionen mit SARS-CoV2 in Deutschland

Jedesmal, wenn sich die Bundeskanzlerin seitdem mit den Ministerpräsident:innnen der Länder zur aktuellen Lage berät, dann wird als wichtigstes Ziel verkündet, noch weiter die Kontakte zu reduzieren.

Ich wüsste nicht, was ich dazu noch beitragen könnte.

Ich hatte seit März 2020 mit weniger als 10 Personen direkten Kontakt (also ohne „Maske“ mit geringem Abstand in einem Innenraum) und habe in der Zeit vielleicht zwei Leute zu Besuch gehabt.

Bei den Kindern waren es ein bisschen mehr. Vor allem in der Zeit vor Weihnachten, als die Schulen noch voll geöffnet hatten, gab es die bizarre Situation, dass sie den ganzen Tag ohne Abstand (aber immerhin mit Mund-Nasen-Bedeckung) mit über 25 anderen Kindern aus über 25 anderen Haushalten zusammen sitzen mussten, und nach dem Verlassen des Schulgebäudes theoretisch mit einer Ordnungsstrafe bedroht war, wenn sie noch zu dritt oder mehr zusammen standen (im ÖPNV hingegen ging das dann irgendwie wieder). Aber ich schweife ab.

Inzwischen haben wir in Baden-Württemberg Schulschließungen und eine Ausgangssperre, und das öffentliche Leben ist ab 20:00 praktisch eingestellt. Weder an Weihnachten noch an Silvester haben wir unseren Haushalt verlassen, und der Unterricht der Kinder findet online statt. Außer um Lebensmittel einzukaufen oder mit dem Hund spazieren zu gehen verlassen wir eigentlich nicht mehr das Haus.

Nachher um 14:00 ist nun das nächste Treffen der Ministerpräsident:innen mit der Bundeskanzlerin, und es wird ein „Megalockdown“ erwartet. Für mich wird sich dadurch vermutlich nichts ändern.

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Sechsundvierzig

Der Geburtstag, der ausfällt. Keine Gäste, keine Party, kein Kuchen, keine Geschenke(*), nicht auswärts Essen gehen.

*) tatsächlich habe ich mir was bestellt, aber das wird erst Anfang November geliefert

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Ich bleib lieber zuhause

Ich war heute zum ersten mal wieder in meinem Bürogebäude. Zuletzt war ich am 12. März dort gewesen, bevor sich unser Team in die Freiwillige Selbstquarantäne begab und am darauffolgenden Tag der ganze Rest des Landes.

Heute war jetzt ein Workshop zur Planung der Roadmap bis zum Ende des Jahres. Es hätte zwar die Möglichkeit zur Teilnahme über Teams gegeben, aber erfahrungsgemäß sind die entfernten Teilnehmer:innen solcher hybriden Veranstaltungen immer im Nachteil. Auch fand die Veranstaltung im größten Raum (das ist so eine Art Mensa mit über 100 m²) und mit eine überschaubaren Teilnehmerzahl statt, so dass die Abstandsregeln mit Sicherheit eingehalten wurden.

Die Hin- und Rückfahrt mit der S-Bahn war auch angenehm ereignislos: die Bahnen waren nicht allzu voll, und soweit ich das überblicken konnte, trugen alle Fahrgäste ihre Masken ordentlich.

Kalender des Scheiterns 2020

Unser Bürogebäude stellte sich allerdings als aus dem besten Weg zu einem Lost Place heraus. Alle Gänge sind zu Einbahnstraßen geworden, und die meisten Besprechungsräume sind nur noch für eine Person zugelassen — das hatte ich schon von Kollegen erfahren, die aus verschiedenen Gründen mal dort waren. Aber inzwischen haben auch alle Kaffeemaschinen den Geist aufgegeben, und das ganze Gebäude wirkt gespenstisch. Der Kalender des Scheiterns, den unser Team in unserer Ecke des Großraumbüros aufgestellt hatte, steht immer noch auf dem 13. März.

Morgen ist noch so ein Workshop geplant, aber ich glaube, dass ich an dem lieber wieder remote teilnehmen möchte.

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Vom Home-Schooling zur Onlineschule und zurück

Seit heute geht Kind.zwei wieder in die Schule, also richtig in das Gebäude. Aber erstmal nur für vier Tage, dann ist wieder Pause für zwei Wochen. Kind.eins fängt erst nächste Woche wieder an, hat dann aber einen zwei-Wochen-Rhythmus. Das alles gehört zu dem Plan, alle Schüler:innen in Baden-Württemberg in diesem Schuljahr noch einmal in die Schule zu schicken. Dieser Plan ersetzt beziehungsweise unterbricht die Routine der Onlineschule, die sich zwischen den Osterferien und den Pfingstferien eingespielt hatte.

Wie die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts wurde auch diese Phase an den beiden Schulen unserer Kinder sehr unterschiedlich gehandhabt.

Das (künstlerische) Gymnasium, das Kind.eins besucht, hatte die Osterferien genutzt, um auf Initiative (und wohl auch mit einigem zusätzlichen Einsatz) einiger Lehrkräfte für alle Schüler:innen Microsoft Teams einzurichten und darauf einen Onlineunterricht organisiert, der sich grob am Stundenplan orientierte. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten (die Lehrkräfte mussten zum Beispiel erst lernen, dass ihr Unterricht nur eine geringe Teilnahme hat, wenn sie ihn erst fünf Minuten vor Beginn in den Kalender eintragen) klappte das in den meisten Fächern ganz gut.

Bei Kind.zwei hingegen, eigentlich an einem Mathematik-Informatik-orientierten Gymnasium, hat nur die Deustschlehrerin zweimal Wöchentlich zur Videokonferenz auf Blizz eingeladen. Alle anderen Fächer stellten neue Lerninhalte und Aufgaben weiterhin in der sogenannten Homeoffice-Plattform zum Herunterladen zur Verfügung.

Die Qualität dieser Aufgaben hatte eine recht große Bandbreite: während der Musiklehrer nach wie vor mit eigenen YouTube-Videos und Links zu Online-Sequenzern zum Herumexperimentieren punktete, bereitete der Englischlehrer immerhin ein Vokabelquiz auf einer Lernplattform vor:

Screenshot eines Hangman-Spiels auf Learningapps.org

In Mathematik beschränkte sich der Unterricht hingegen auf solche Aufgabenblätter:

Für den Zeitraum 27.05-29.05.2020 solltet ihr folgende Aufgaben machen:

Thema: Rauminhalte messen
1.) Im Buch S. 173 ganz gründlich durchlesen, verstehen und den blauen Kasten ins Heft übertragen.
2.) S. 173/ Beispiel 1 und 2 durchlesen und verstehen

Übungsaufgaben:
S. 173/ Aufgabe 1
S. 174/ Aufgaben 2 bis 5, jeweils ganz
S. 175/ Aufgabe 6 bis 10, jeweils ganz

Für Freiwillige:
S. 175/ Aufgaben 12 und 13

… und die kopierten Musterlösungen für die Aufgaben.

Gleichzeitig tauchten mehr und mehr Aufgaben auf, für die nach draußen hätte gegangen werden müssen. Das begann mit „spielt Volleyball in Eurem Garten“ (welcher Garten?) und eskalierte zuletzt zu einer kompletten Anleitung, für den Kunstunterricht mit dem Wasserfarbkasten in die Natur zu ziehen und dort Pflanzen abzumalen (wir besorgten eine Topfpflanze).

Insgesamt hatte sich die Schule aber zwischen den Ferien gerade wieder gut eingependelt (im Gegensatz zu vor den Osterferien auch das zu bewältigende Pensum betreffend), darum bin ich nicht sicher, dass die Wiedereinführung des Schulgebäudes wirklich irgendwelche Vorteile bietet. Schließlich enthält der Präsenzunterricht auch nicht alle Schulfächer, und für die übrigen Fächer sind zum Teil bereits neue Aufgaben für Kind.zwei auf der Plattform aufgetaucht. Wann er die allerdings machen soll, ist mir noch nicht ganz klar.

Es gibt natürlich Familien, die es mit der Heim- und Onlineschule nicht so leicht hatten wie wir, aber ich sehe auch nicht so richtig, wie denen mit zwei oder drei weiteren unvollständigen Unterrichtswochen vor den Sommerferien geholfen werden soll. Im Zweifelsfall müssen auch die jetzt ihre bisherige Organisation wochenweise umwerfen und neu aufbauen.

Es bleibt spannend.

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Unerwarteter Ruhm

Im großen und ganzen schreibe ich ja auf allen meinen Kanälen fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur wenn mich Herr Buddenbohm mal verlinkt, dann trampeln hier plötzlich die Horden durch.

Mit meinem Getwitter hat es schon ab und zu geklappt, ins Fernsehen zu kommen — na ja, eigentlich nur in den Videotext, aber das war es auch schon an „Bekanntheit“ außerhalb meiner kleinen kuscheligen Internetblase.

Heute morgen trudelte aber plötzlich eine Mail von einem ehemaligen Klassenkameraden (Gymnasium, lange her) mit dem folgenden Inhalt bei mir ein:

hat Dir bestimmt schon jemand gesteckt, aber falls nicht:
Du bis heute auf Seite 1 der Süddeutschen Zeitung – Streiflicht!
Selten so gelacht…. 😀

Huch! Was? Wie? Hmm, auf der SZ-Webseite ist das Streiflicht nur für Abonnenten zu sehen, und ich hab inzwischen seit mehr als zehn Jahren kein Abo der SZ mehr. Nur den Anfang konnte ich lesen:

(SZ) Vor gut drei Jahren schrieb ein gewisser Thomas Renger auf Twitter: „Ich bin ja kein Bärenexperte, aber …“
[…]

Den erwähnten Tweet kannte ich natürlich, …

… aber nach dem Rest des Texts musste ich erst auf Twitter fragen.

Und es stellte sich tatsächlich raus: das Strefilicht hatte meinen alten (aber bisher erfolgreichsten) Tweet als Aufhänger genommen um allgemein über … äääh … naja, worauf der Autor eigentlich hinaus wollte habe ich dann doch nicht so richtig verstanden. Die Süddeutsche Zeitung ist vielleicht manchmal doch zu intellektuell. Aber den „obwaltenden selbstironischen Blick auf alles Expertentum, der so erhellend und erheiternd war“, den sie mir bescheiningt hat, muss ich unbedingt irgendwie in meine Twitter-Bio integrieren.

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Bitte warten Sie, während das Land neu gestartet wird

Wir sind also in der lang ersehnten Woche nach den Osterferien, der Woche, die „endlich“ die Lockerungen der Beschränkungen des Lebens bringen sollte. Die Nerven liegen auf allen Seiten blank, und ich kann alle Seiten mehr oder weniger verstehen. Naja, manche mehr und manche weniger.

  • Der Einzelhandel hat schlichte Existenzangst: wenn die Geschäfte geschlossen bleiben müssen aber Ladenmieten und andere Ausgaben weiter laufen, dann droht die Insolvenz.
  • Die Eltern können vielfach ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen, weil sie den ganzen Tag ihre Kinder betreuen müssen und zusätzlich die Stelle des Hilfslehrers übernehmen. Das komplette Betreuungsnetz ist weggebrochen, auch die Großeltern können und sollen z.B. nicht einspringen.
  • Die Bildungspolitiker sorgen sich um die Abschlüsse des Jahres 2020. Die sollen stattfinden und mit den Abschlüssen der übrigen Jahre vergleichbar sein.
  • Die Politik im allgemeinen will Handlungsfähigkeit beweisen. Irgendetwas musste jetzt getan werden.

Der Eindruck, den die auf dieser Basis beschlossenen „Lockerungen“ in großen Teilen der Bevölkerung hinterlassen haben (so ungefähr: „Puh, zum Glück sind wir da jetzt durch.“), den halte ich für ganz gefährlich. Schon vorher waren immer genug Menschen zu beobachten, die die Abstandsregeln offensichtlich nicht auf sich bezogen hatten, aber seit Montag ist im benachbarten Park wieder Dauerparty, und die Kinder spielen zusammen im Sand — nicht auf dem Spielplatz, denn der ist ja abgesperrt, aber dann eben neben dem Sportgerüst, das außerhalb des Spielplatzes steht. Und gleich Montag musste auch in der Stuttgarter Innenstadt die Polizei einschreiten und die Schlange vor einem Schuhgeschäft auflösen.

Als erste Geste des Zurückruderns haben jetzt mehrere Bundesländer eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen wie Geschäften und ÖPNV eingeführt, aber ob die etwas bewirkt, darauf bin ich auch gespannt. Heute war ich zum ersten mal seit dem Beginn der Quarantänezeit wieder in der Innenstadt (ein defektes iPad zu Gravis bringen, die haben ja jetzt wieder geöffnet). Ich trug dabei natürlich eine Gesichtsmaske, doch die Zahl der übrigen beobachteten Masken lag nur knapp über null.

Aber für Trial und Error ist die Regelverzögerung (Totzeit) der Infektionsrate einfach zu groß. Wer schon einmal versucht hat, die ideale Temperatur in einem Raum einzustellen, kennt das Grundproblem — und da liegt die Totzeit unter einer Stunde (Fußbodenheizung: ein paar Stunden). Bei den Coronainfektionen wirken sich Änderungen erst nach fünf bis zehn Tagen aus.

Ich bin da eher bei Pavel Mayer (klick auf das Bild führt zum kompletten Thread):

Meiner Meinung nach haben wir viel zu früh wieder locker gelassen. Ich weiß aber, dass ich das aus privilegierter Lage schreibe, denn ich kann mit nur geringen Unbequemlichkeiten und unveränderten Einnahmen aus dem Homeoffice arbeiten, und unsere Kinder sind groß genug, um den Tag ohne unsere Dauerbespaßung durchzustehen.