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Aufbruch ins Fediverse

Das war vielleicht eine Woche.

Seit vier Jahren betreibe ich ja schon eine Mastodon-Instanz, weil ich schon seit längerer Zeit davon überzeugt bin, dass es keine gute Idee ist, das Online-Leben in die Hände einzelner privater Unternehmen zu geben (ich habe das mal aufgeschrieben anlässlich meines zwölfjährigen Twitterjubiläums). Bisher konnte ich aber Twitter nie den Rücken zudrehen, weil da eben so viele nette Leute sind, die ich teilweise sogar schon aus der Zeit vor Twitter im Netz kannte.

Einige von denen hatten zwar auch Mastodon-Accounts, aber der überwiegende Teil davon waren Karteileichen oder spiegelten einfach nur den Inhalt von Twitter in das andere Netzwerk. Also spiegelte ich meine Mastodon-Posts zu Twitter und teilte meine Zeit zwischen den beiden Gruppen auf (denn auch auf Mastodon hatte ich inzwischen einige nette Leute gefunden) und versuchte, immer mit beiden Gruppen zu interagieren (interessanterweise Themenabhängig mal mehr da und mal mehr dort). Auf meiner Instanz Fnordon waren bis Anfang Oktober 2022 trotz all meiner Einladungen etwa 20 Konten angelegt, fünf davon allein von mir selbst betrieben.

Jetzt hat Elon Musk Twitter gekauft, und ich will es mal so ausdrücken: es läuft nicht ideal.

Schon nach der ersten Ankündigung Ende April ein paar neue Accounts im Fediverse aufgetaucht, im Nachhinein betrachtet waren das aber nur schon einmal ausgelegte virtuelle Handtücher auf den föderierten Liegestühlen. Denn am letzten Wochenende nach Abschluss der Transaktion ging es erst richtig los.

Grafik des Verlauf der angemeldeten Benutzer auf fnordon.de für das Jahr 2022: die Linie ist hauptsächlich waagerecht mit einem ganz kleinen Buckel im April -- um dann am Ende steil anzusteigen.

Während ich diese Zeilen schreibe hat Fnordon gerade 133 Benutzerkonten, von denen ein großer Anteil fleißig befüllt wird. Endlich bin ich in der lokalen Timeline nicht mehr ganz allein. Die meisten neuen Benutzer:innen sind genau aus der oben genannten Gruppe der (ehemaligen) Bewohner von „Klein-Bloggersdorf“, teils weil ich auf Twitter genau denen eine ausdrückliche Einladung ausgesprochen hatte, aber zum größten Teil wahrscheinlich durch die Empfehlung bei der Kaltmamsell (vielen Dank dafür).

So macht das Fediverse Spaß (den Crossposter zu Twitter habe ich erstmal ausgeschaltet).

Aber jetzt muss ich dringend mal Instanzregeln ausdrücklich aufschreiben, und auch ein Impressum habe ich erst vor kurzem endlich mal hinzugefügt.

Von dentaku

Site Reliability Engineer, Internet-Ureinwohner, Infrastrukturbetreiber, halb 23-Nerd halb 42-Nerd, links, gesichtsblind.

Schreibt mit "obwaltendem selbstironischem Blick auf alles Expertentum" (Süddeutsche Zeitung)

17 Antworten auf „Aufbruch ins Fediverse“

@dentaku Ich danke dir auf jeden Fall für das Betreiben der Instanz! Ich wollte nicht zu einer kleinen "fremden" Instanz, wo ich niemanden kenne, Alternative wäre also was großes, Anonymes gewesen. Da ich einigen, die hierher gewechselt sind, bereits folgte, habe ich mich daher für deine Instanz entschieden. Dass sich hier hauptsächlich eine Blogger-Bubble tümmeln würde, war mir nicht bewusst 😄 Ich fühlte mich einfach mal von der Einladung mit angesprochen ^^

Danke für die kurze und unbürokratische Aufnahme nach meiner Flucht von mastdon.art. Deren äußerst rigide Blockerei ganze Instanzen ausschließt, mit teils völlig harmlosen und lieben Menschen darin, denen man dann halt nicht folgen kann.

Wenn man neu im Fediverse ist und mehr oder weniger alle Instanzen sich denselben Spielregeln verpflichten, aber der anderen Seite das irgendwie aufgrund irgendwelcher tatsächlichen oder gefühlten Verstöße aberkennen (was man selbst natürlich überhaupt nicht überprüfen oder nachvollziehen kann), dann landet man sehr plötzlich im Vakuum. Alle meine Freiude sind irgendwie da, aber ich darf nicht mit ihnen reden? Nun, schlimmer kann es ja bei Elon auch nicht werden, höchstens teurer.

Jedenfalls danke – und wenn Dir das mit dem Server finanziell zu heftig wird, sagst Du uns bitte rechtzeitig Bescheid, ja?

@dentaku Ich bin vor einigen Tagen schlicht meiner Herde gefolgt, wie ich das auch schon bei Twitter getan habe, und dort bin ich auch Ihnen schon einige Jahre gefolgt. Ich bin Ihnen sehr dankbar für die Einladung, die mir diese Umgebung weiter ermöglicht.

@dentaku Lieber Thomas. Du hast über die Jahre, die wir uns kennen (mehr als eine Dekade ist das immerhin schon) Vertrauen ins Fediverse bei mir aufgebaut. Ich gebe zu, es hat echt lang gedauert, mich anzumelden und aktiv mitzugestalten. Doch jetzt bin ich hier. Danke dafür.

Nun hat also Elon Musk Twitter gekauft und niemand weiss so richtig, wohin sich die Plattform entwickeln wird. Aber die Befürchtungen sind groß – und Musk hat ja auch durch das Feuern großer Teile der Belegschaft, vor allem aus dem Bereich Content Moderation. Schon nach kurzer Zeit gab es aus dem US-Bereich Meldungen über antisemitische oder andere Hatespeech-Posts, die nicht moderiert wurden. Ich möchte das hier gar nicht weiter ausführen, andere haben sich dazu bereits viele Gedanken gemacht und es scheint vor allem, ein recht volatiler Prozess zu sein.

Aber twitter.com ist oder war eben schon meine Heimat im Web in den letzten Jahren. Deshalb oder trotzdem waren auch immer wieder mögliche Alternativen interessant, nicht erst, seit im April 2022 die ersten Nachrichten zur Übernahme von Twitter durch Musk auftraten. Bereits vor einigen Jahren habe ich mich bei mastodon.social angemeldet, doch der Account dort lag seitdem Brach. Die Anmeldung speziell auf dieser sogenannten Instanz mastodon.social nahm ich wohl vor allem deshalb vor, weil ich das System Mastodon beziehungsweise das Fediverse (ein Kofferwort aus Federation und Universe) damals noch nicht mal ansatzweise verstanden habe. Das hat sich in den letzten Tagen zum Glück geändert. Mittlerweile (Oktober/November 2022) bin ich zu fnordon.de umgezogen. Dort habe ich seit April ebenfalls einen Account, diesen aber bis vor kurzem zu mastodon.social umgeleitet. Die Instanz fnordon.de liegt mir besser, zumal ich den Betreiber dentaku persönlich kenne und auch viele Twitter-Menschen aus meiner Blase bei ihm gelandet sind. Dentaku hat den aktuellen Aufbruch ins Fediverse in seinem Blog beschrieben.

Auch wenn in diesem Blog hier zuletzt sehr, sehr wenig geschrieben habe, sind mir diese aktuellen Entwicklungen eine, diese Wegmarke wert.

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