Freitag, 9. Dezember 2005
[*]

Die Rache des Nachsendeantrags

, 09:37

Vor kurzem habe ich ja über den Brief-Irrläufer geschrieben. Da konnte ich noch scherzen, daß der Brief wahrscheinlich umgehend zurückkommen würde — aber so plump ist das Leben nicht, es hat raffiniertere Mehoden zur Rache:
Der Brief, den ich zurückgeschickt habe, war von der Bahn (genauer: BahnCard-Service) und kam in einem dieser Fensterumschläge, die über dem Fenster eine Anweisung haben „Bei Umzug Anschriftenberichtigungskarte! Wenn unzustellbar, zurück.“. Genau das hat die Post dann auch getan: Herr Dr. Thomas Becker wohnt jetzt (zumindest für die Bahn) offiziell bei mir in Stuttgart und weiß selbst nichts davon.
Die Rechnung für die verirrte Bahncard (zu erkennen am durchscheineneden Überweisungs-Orange, ich mache ja nicht andererleute Post auf) kam jetzt von der Bahn direkt an meine Adresse. Also nahm ich mir die Servicenummer der Post (01802/444546) und die Auftragsnummer des Nachsendeantrags (hängt inzwischen an einer Magnetleiste an der Wand über dem Computer) und rief wieder mal an. Der Servicemitarbeiter brauchte erst einige Zeit, bis er mein Problem überhaupt verstand, mußte mir dann aber leider mitteilen, daß man hier wohl zwar einen Fehler gemacht habe, den aber jetzt nicht wieder korrigieren könne. Zwar werde er jetzt nochmal eine Beschwerde aufnehmen und ein Fax nach München senden, eine Anschriftenberichtigungsberichtigungskarte gebe es aber nicht, und deshalb solle ich selbst die Adresse auf den Brief durchstreichen, das Wort „zurück“ danebenschreiben und einen erklärenden Text auf die Rückseite schreiben:

Dr. Thomas Becker wohnt unverändert in der Pötschnerstr. 9, 80634 München.
Die Nachsendung und Mitteilung der Adressänderung durch die Post erfolgten irrtümlich.
Mit freundlichen Grüßen,
Thomas Renger

Jetzt muß ich mich darauf verlassen, daß die Bahn das kapiert… hmmmm.

Montag, 21. November 2005
[*]

Das Wunder des Nachsendeantrags

, 20:01

Eigentlich wollte ich schon von meinen Nachsendeproblemen berichten, nachdem ich bei Batz über die Zusammenarbeit zwischen DHL und Packstation gelesen hatte, dann habe ich es aber doch wieder vergessen. Jetzt hat die Post mich wieder dran erinnert:
Anläßlich meines Umzugs nach Stuttgart habe ich einen Nachsendeantrag für ein Jahr für Briefe und Pakete gestellt. Das ist erstmal nicht so einfach, wie es klingt, denn die Post ist nicht darauf vorbereitet, daß jemand Adresse und Namen gleichzeitig ändert. (Wer entwirft denen eigentlich die Anwendungsfälle? Zogen nicht „früher“ die Frauen „immer“ bei der Hochzeit mit dem neuen Namen in einen neuen Bauernhof?) Als Krücke stehen jetzt also drei Leute auf dem Nachsendeantrag: Susanne Renger, Thomas Renger und Thomas Becker. Das hat zwar den Nachteil, daß auf dem neuen Briefkasten wieder mein alter Name draufstehen muß (zumindest bis ich allen meinen neuen Namen mitgeteilt habe), funktioniert aber sonst ganz gut (kann man für die 25€ aber ja auch verlangen).
…aber nur, solange kein Paket ankommt. Dann kommt nämlich — ordentlich mit einem Aufkleber des Nachsendeantrags versehen — in Stuttgart eine orange Benachrichtigungskarte von DHL an, man habe mich in München nicht angetroffen, und man sei auch nicht ins Haus gekommen, deshalb erhalte man ausnahmsweise per Post Nachricht darüber, daß man sein Paket doch bitte innerhalb einer Woche im Postamt in der Arnulfstraße (in München natürlich) abholen solle.
Jetzt braucht man erstmal die Servicenummer der Post (01802/444546) und die Auftragsnummer des Nachsendeantrags (hängt inzwischen an einer Magnetleiste an der Wand über dem Computer), dann ruft man dort an und erklärt sein Problem. Als Antwort erhält man stets, daß der Nachsendeantrag bei der Post ja prima funktioniere (schließlich sei die Benachrichtigungskarte ja angekommen), daß Pakete aber über den Vertragspartner DHL verschickt würden, daß es einem außerdem wahnsinnig leidtue, daß der das nicht auf die Reihe kriege, und man gern eine Beschwerde aufnehme, aber daß es leider auch keine DHL-hotline gebe, an die man sich direkt wenden könne. Ein paar Tage später kommt das Paket dann an.
Diese Prozedur habe ich inzwischen dreimal durchgeführt, und ich werde das Gefühl nicht los, daß weitere Pakete erfolgreich ausgeliefert wurden, indem sie bei Elektro Wegmann abgegeben wurden, oder indem die orangene Benachrichtigungskarte in den Briefschlitz meiner ehemaligen Wohnung geworfen wurde. Antragsgemäß ohne Umwege nach Stuttgart hat es noch kein Paket geschafft.

Jetzt hat sich die Post was neues einfallen lassen: ich erhielt einen Brief von der Bahn mit Nachsendeaufkleber der Post, darin eine Bahncard (stand außen drauf, ich habe den Brief nicht geöffnet). Der Brief war aber garnicht an mich adressiert, sondern an einen Dr. Thomas Becker in der Pötschmannstraße in München — das ist zwar nicht weit weg von der Donnersbergerstraße, in der ich vorher gewohnt habe, aber es ist ebern nicht dasselbe. Außerdem habe ich keinerlei akademischen Grad. Also nehme ich mir die Servicenummer der Post (01802/444546) und die Auftragsnummer des Nachsendeantrags (hängt inzwischen an einer Magnetleiste an der Wand über dem Computer) und ruf‘ an:

Ich: Hallo, ich habe hier einen Brief, der ist mir falsch nachgesandt. Der heißt genauso, wohnt aber in einer anderen Straße.
Post: Ah ja, das ist falsch so, ich werde eine Beschwerde eintragen. Ziehen Sie den Aufkleber einfach ab und werfen Sie den Brief wieder in den Briefkasten.
Ich: Und dann kommt der Brief wieder hierher?
Post: Naja, hoffentlich nicht.
(ungefähr so, nach Gedächtnis)