Donnerstag, 26. März 2020
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Wie lange bleibt das jetzt eigentlich so?

, 23:07

Jetzt sind wir zwei Wochen größtenteils drin geblieben. Mein Arbeitgeber hat große Teile der Belegschaft in 14 Tage Blockpause geschickt und für die Zeit danach jetzt schon mal mindestens 14 Tage Kurzarbeit angekündigt. Ich bin persönlich wegen betriebswichtiger Tätigkeiten von keiner der beiden Maßnahmen betroffen.

Aber wie lang müssen wir eigentlich alle zuhause bleiben und Distanz wahren für eine flachere Kurve. Ich versuche mal eine naive Überschlagsrechnung:

  • Deutschland hat etwa 83 Millionen Einwohner:innen.
  • Ich höre immer wieder, dass etwa 50 bis 70 Prozent sich am Schluss mit dem Virus anstecken werden.
  • Laut Robert-Koch-Institut liegt der Anteil der Patient:innen, die Intensivmedizin benötigen zwischen 2% und 26% (ja, so genau sind die Zahlen).
  • Die schweren Fälle bleiben ungefähr 3 bis 6 Wochen im Krankenhaus (auch RKI).
  • Nach den Zahlen von coronazaehler.de sind ungefähr 6000 Intensivbetten abrufbar.

Wenn ich jetzt überall die günstigsten Zahlen wähle, dann komme ich auf mindestens 830000 schwere Fälle, von denen pro Woche 2000 bewältigt werden könnten. Die Durchinfizierung müsste also auf 415 Wochen gestreckt werden. Das sind etwas weniger als 8 Jahre.

Selbst mit der hier unberücksichtigt gelassenen Verkürzung durch eventuell gefundene Medikamente, Impfstoffe oder einen (zumindest in einem solchen Zeitraum) möglichen Ausbau der Krankenhauskapazitäten ist das eine komplett unrealistische Dauer für den aktuellen Zustand der Isolation. Irgendwo muss ich einen Denkfehler haben.

Das ist ja auch an China zu sehen. Dort wird gerade die Wirtschaft wieder hochgefahren, nachdem bei etwa 80000 Fällen die Zahl der Neuansteckungen auf nahe null reduziert werden konnte. Nun hat das Land aber eine Bevölkerung von mehr als 1 Milliarde Menschen, und die 80000 sind nicht einmal annähernd ein Anteil von 50% davon. Bestünde da nicht die Gefahr, dass der nächste Reisebus aus Ischgl (oder equivalentes Ereignis) die nächste Erkrankungswelle auslöst. Mir ist noch nicht klar, wie das funktionieren soll.

Wie lange bleibt das jetzt also so? Ich habe keine Ahnung.

14 Reaktionen:

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    Ahnung habe ich auch keine, also mir fehlt das Fachwissen. Gelesen und gehört habe ich:
    – es braucht immer wieder Wellen, in denen man öffnet, sonst würde sich irgendwann niemand mehr anstecken

    – die Hoffnung auf Medikamente schon in einigen Monaten, würde dazu führen, dass mehr angesteckt werden dürften, weil die Anzahl schwerer Fälle dann leichter behandelbar wäre

    – Impfung, statt einfach so auf 70% zu kommen, könnte damit die Anzahl erhöht werden

    Diskutieren wollen Fachleute wohl auch eine Impfung mit einem weniger sicheren Rahmen als jetzt zumindest für Risikogruppen.
    Aktuell wären Impfungen mit einer massiven Nebenwirkung pro 1000 Personen nicht zulässig. Aber bevor man riskiert eine sehr hohe Zahl der Risikopatienten zu verlieren, wollen sie diskutieren ob da nicht auch eine nicht so perfekte Impfung nicht trotzdem hilfreich wäre.

    All das zusammen soll wohl dazu führen, dass etwa innerhalb von zwei Jahren, Covid-19 nicht mehr schlimmer ist, als jede saisonale Grippe.

    So habe ich Gelesenes und Gehörtes von Fachmenschen verstanden, aber nochmal, eigenes Fachwissen habe ich hierzu keins.

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    Soweit ich weiss, ist der entscheidende Unterschied zwischen uns und China, daß die Chinesen die Quarantäne wirklich konsequent umgesetzt haben, während unser sogenannter ‚lockdown‘ bestenfalls halbherzig ist.
    Hier gehen die Leute weiter einkaufen, arbeiten, fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln usw.
    So kann man vielleicht „die Kurve abflachen“, was aber wie du richtig berechnet hast wenig bringt, was man so nicht schafft ist, das Virus zu stoppen.
    Entweder konseqent bis auf lebenswichtige Bereiche alle ein paar Wochen zuhause bleiben, oder man hätte es auch lassen können.
    Und ja, natürlich besteht die Gefahr, daß die Pandemie hinterher wieder aufflammt, in China und hier.
    Dagegen hilft dann wohl nur den Grenzverkehr auf das nötigste einzuschränken und testen, testen, testen und dann alle neuen Fälle konsequent verfolgen und isolieren, bis es eine Impfung gibt, also genau das was man schon vor zwei Monaten hätte machen sollen.
    War aber politisch nicht gewollt. Die Konseqenzen sehen wir jetzt.

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    mama, wann sind wir endlich daaa?

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    Von der Herdeniimmunitätsstrategie scheint man jetzt weg zu sein, schreibt zumindest die Telepolis, was ich grundsätzlich irgendwie beruhigender finde.

  12. 011i hat this Post auf nullenundeinsenschubser.de erwähnt.

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